Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag. Meine Mutter ist am Telefon. Sie ruft aus Frankreich an. Dort, wo sie gerade mit meinem Vater ist. Ich bin nicht dabei, denn ich feiere schon lange Heiligabend allein.

„Wie geht’s dir, Mama?“

Meine Mutter schweigt laut in den Hörer, etwas, das ganz untypisch für sie ist. Dann holt sie Luft und sagt mit zittriger Stimme: „Papa ist gestern gestürzt. Von einer Sekunde auf die andere. Einfach so. In der Küche. Zum Glück ist er nicht mit dem Kopf an die Kante der Geschirrspülertür aufgeschlagen. Sonst…“

„Wann kommt ihr denn nach Hause?“

„Am Donnerstag, am 28. Dezember. Das wird furchtbar. Er braucht jetzt einen Rollstuhl und ich weiß gar nicht, wie ich das mit den Koffern und Taschen alles hinbekommen soll.“

„Soll ich Euch vom Flughafen abholen, Mama?“

Jetzt beginnt sie zu weinen. „Würdest du das machen?“

Und ich weiß, dass ich alles für meine Eltern tun würde. Vor allem, wenn meine Mutter weint, denn sie ist nicht der Typ, der weint. Nie. Also wirklich fast niemals.

„Ja, klar. Ich komme.“

Und sie sagt nur leise: „Danke, mein Schatz.“

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